Die Bergstraße - Wandkarte von 1914 - Geographische Anstalt und Verlagsbuchhandlung Justus Perthes in Gotha / Haack / Hofmann Gotha

1913 kam es zu einer Zusammenarbeit zwischen Joseph Stoll und dem Verlagshaus Justus Perthes in Gotha, welches eine Wandkarte / Altaskarte der Bergstraße mit einem Gemälde der Bergstraße veröffentlichen wollte. Joseph Stoll fertigte das Bild der Bergstraße an, welches auch heute noch als Original existiert. Auch soll im Stadtmuseum Bensheim noch ein Original der Wandkarte existieren. Die hier gezeigte Version scheint ein Probeabdruck zu sein, welcher einem der vielen Briefen zwischen Joseph Stoll und dem Verlagshaus beigelegen haben muss.

Die Wandkarte


NLJS_Dokumente_CV_0623_web.jpg Die Bergstraße - Wandkarte von Joseph Stoll und Hoffmann, erschienen im Verlagshaus Justus Perthes 1914, Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016
Verkleinerter Probeabdruck in schwarz-weiß der späteren Wandkarte

Brief vom 18.06.1913

NLJS_Dokumente_CV_0624.jpg Brief vom 18.06.1913 aus Briefwechsel zwischen Joseph Stoll und Verlagshaus Justus Perthes betreffend "Die Bergstraße" - Wandkarte von Joseph Stoll und Hoffmann, erschienen im Verlagshaus Justus Perthes 1914, Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Brief vom 05.05.1914

NLJS_Dokumente_CV_0625.jpg Brief vom 05.05.1914 aus Briefwechsel zwischen Joseph Stoll und Verlagshaus Justus Perthes betreffend "Die Bergstraße" - Wandkarte von Joseph Stoll und Hoffmann, erschienen im Verlagshaus Justus Perthes 1914, Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Brief vom 29.05.1914

NLJS_Dokumente_CV_0626.jpg Brief vom 29.05.1914 aus Briefwechsel zwischen Joseph Stoll und Verlagshaus Justus Perthes betreffend "Die Bergstraße" - Wandkarte von Joseph Stoll und Hoffmann, erschienen im Verlagshaus Justus Perthes 1914, Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Brief vom 15.03.1915

NLJS_Dokumente_CV_0627.jpg Brief vom 15.03.1915 aus Briefwechsel zwischen Joseph Stoll und Verlagshaus Justus Perthes betreffend "Die Bergstraße" - Wandkarte von Joseph Stoll und Hoffmann, erschienen im Verlagshaus Justus Perthes 1914, Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Brief vom 24.03.1915

NLJS_Dokumente_CV_0628.jpg Brief vom 24.03.1915 aus Briefwechsel zwischen Joseph Stoll und Verlagshaus Justus Perthes betreffend "Die Bergstraße" - Wandkarte von Joseph Stoll und Hoffmann, erschienen im Verlagshaus Justus Perthes 1914, Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Die Bergstraße - Werbeprospekt von 1911

Die Bergstraße bewarb sich 1911 in einem Faltprospekt, der durch Joseph Stoll gestaltet worden ist. Der Faltprospekt ist 12,3 cm hoch und ganze 202cm lang. Er verfügt über eine Darstellung der gesamten Bergstraße von Darmstadt ausgehend bis Weinheim reichend und zudem als Ergänzung die Stadt Lindenfels. Auf der Rückseite werden alle Orte kurz beschrieben.



Bürgerwehrbrunnen

Bürgerwehrbrunnen Bensheim, Stoll-Berberich 2016
Auf dem kleinen Platz zwischen dem Marktplatz, der Mittelbrücke und dem Wambolterhof findet man den Bürgerwehrbrunnen, der neuerdings von einem kleineren Brunnen (Trinkwasserspender) flankiert wird. Dieser von Fachwerkhäusern umringte Platz liegt meist nur auf dem Weg vieler Bensheimer, wenn sie von der oberen Hauptstraße zum Hospitalbrunnen wollen und  tritt meistens nur dann in Erscheinung, wenn dieser Platz für Veranstaltungen genutzt wird. Vielleicht war dies ein Grund, warum Joseph Stoll an der durch einen Großbrand im Jahre 1866 freigewordenen Fläche die einstige Brunnensäule des Marktplatzes, als neuen Brunnen, hier aufstellen wollte. 1934 war es dann soweit. Der Brunnen wurde errichtet, in den 70er Jahren wurden Ruhebänke ergänzt und im Laufe der letzten Jahre entstand durch die Restaurierung der Mittelbrücke, der angrenzenden Fachwerkhäuser und der Alten Faktorei ein innerstädtisches Kleinod.

Bensheimer Ehrenfriedhof - Erster Weltkrieg

Der nachfolgende Briefwechsel sowie die technischen Zeichnungen zur Gestaltung eines Ehrenfriedhofes - vermutlich in Bensheim - zeigen die Planung und die Ideen, die Joseph Stoll während des Ersten Weltkrieges dem Stadtbauamt unterbreitete. 

Ehrenfriedhof Erster Weltkrieg Bensheim - Joseph Stolls Schriftverkehr mit Bensheimer Stadtbauamt (Herr Griesemer) 30.12.1916; Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Ehrenfriedhof Erster Weltkrieg Bensheim - Joseph Stolls Schriftverkehr mit Bensheimer Stadtbauamt (Herr Griesemer) 03.02.1916; Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016

Joseph Stolls Entwurf für den Bensheimer Ehrenfriedhof Erster Weltkrieg; Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016





Fraa vun Bensem - An der Stadtmühle - Joseph-Stoll-Platz

Nachdem sich die Sage der „Fraa vun Bensem“ eingebürgert hatte und es von Joseph Stoll auch Gedichte über sie gab, sorgte Joseph Stoll als 1. Vorsitzender des Verkehrsvereins und 2. Beigeordneter der Stadt Bensheim für die Errichtung der Parkanlage mit dem Brunnen der „Fraa vun Bensem“. Diese Anlage wurde an der Stelle der um 1910 abgebrochenen Stadtmühle angelegt und am 30. Mai 1935 eingeweiht. Der Schöpfer der legendären Figur auf dem Brunnen war der Bildhauer Tilmann Zobel aus Auerbach. Am Brunnenstock sind vier wasserspeiende Landsknechtsmasken angebracht die die Zeit des 30jährigen Krieges nochmals unterstreichen. Aus dieser Konstellation heraus wurde die „Fraa vun Bensem“ zu einer Symbolfigur und Wahrzeichen der Stadt Bensheim die, aus Tradition, beim Winzerfestumzug teilnimmt. Bei vielen offiziellen Anlässen und Empfängen ist sie anwesend (sie wird heute von Doris Walter von der Heimatvereinigung „Oald Bensem“ dargestellt) Am 5. Oktober 1957 wurde dieser Platz mit dem Brunnen, zu Ehren des Heimatdichters Stoll zum sog. „Joseph -Stoll - Platz“ umbenannt.


Sage der Fraa vun Bensem 

Im Dreißigjährigen Krieg zogen fremde Kriegsvölker im Lande umher, eroberten und plünderten die Städte und töteten die Einwohner. Bensheim war von einer hohen Mauer mit starken Toren und wehrhaften Türmen umgeben. Da kamen im Jahre 1644 die Schweden und Franzosen und belagerten die Stadt. Trotz standhafter Abwehr der Bürger gelang es den Feinden in die Stadt einzudringen. Auf dem Marktplatz richteten sie ein furchtbares Blutbad an. Das Blut der Bürger soll damals wie ein Bach den Marktplatz herunter geflossen sein. Gerade 14 Tage hatten sich die Schweden und Franzosen in Bensheim einquartiert, da kamen die Bayern. Das waren ihre Gegner. Diese belagerten die Stadt und beschossen sie vom Griesel aus. Nachdem sie die Vorstadt erobert hatten, standen sie vor der unbezwinglichen Doppelmauer, welche die Altstadt von der Vorstadt trennte. Vergeblich versuchten sie, dieses Hindernis zu bezwingen. In der Vorstadt wohnte eine alte Frau. Viele ihrer Freunde und Bekannten waren vor 14 Tagen durch die Schweden und Franzosen ums Leben gekommen. Deshalb haßte sie die Eroberer und erbot sich, den Bayern hintenherum einen geheimen, unterirdischen Gang, der in die Altstadt führte, zu zeigen. Um Mitternacht erschien sie mit einer Laterne. Sie führte die Bayern an die Stelle, wo der Mühlgraben, dessen Wasser das Mühlrad der Stadtmühle trieb, unter der Stadtmauer hindurchgeht. Die Bayern krochen hinein, drangen bis zur Stadtmitte vor und hieben die ganze schwedische Besatzung nieder. Seit dieser Zeit geht im Volke das Sprichwort: „Hinnerum, hinnerum, wie die Fraa vun Bensem.“ Soweit die Sage.


Geschichtlicher Hintergrund der Sage 

1634 nach der, für die protestantische Union, so verhängnisvollen Schlacht bei Nürtlingen (06. Sep. 1634) und dem darauf folgenden Zusammenbruch der schwedischen Armee, verlor die Kurpfalz und damit auch Bensheim den protestantischen, schwedischen Schutz. Bensheim kam zu seinem früheren Besitzer, dem Erzbistum Mainz, zurück und wurde nun wieder Katholisch. Ein Jahr später 1635 wurde es abwechselnd von Schweden, Truppen der katholischen Liga, Franzosen oder Spaniern besetzt. Die Stadt war abwechselnd katholisch oder wurde wieder protestantisch, je nach Besatzung. So wechselte sich die Lage Bensheims ständig. Im November des Jahres 1644 waren wieder einmal protestantische, schwedische Truppen, verstärkt durch Franzosen und deutschen Truppen, unter dem Generalmajor Rosa in Bensheim. Am 4. Dezember 1644 begann die Belagerung der Stadt durch Truppen der katholischen Liga. Diese Bayerischen Truppen wurden befehligt von den Generälen von Mercy und von Werth. Bensheim wurde mit 4 Kanonen vom Griesel aus beschossen. Die Bayerischen Truppen konnten zunächst die Vorstadt und später die Altstadt einnehmen. Die üble Nachrede „hinne her“ soll übrigens im Jahre 1568 entstanden sein. Der Heppenheimer Schmied Engelhard hatte die Bensheimer in angeheitertem Zustand damit aufgezogen, daß sie „hinden hernach“ d.h. immer zu spät kämen. Der Bensheimer Rat zog ihn deshalb zur Verantwortung, und er mußte froh sein, mit feierlicher Abbitte und Widerruf davon zu kommen.
 Aus: Rund um den Kirchberg von Richard Matthes


Bilder


Ritterplatz - Versuch der Neugestaltung

Der Ritterplatz um 1920 - Quelle: Nachlass Joseph Stoll, Stoll-Berberich 2016
Quelle: Nachlass Joseph Stoll
Joseph Stoll war bereits in den frühen 20er Jahren daran interessiert, seine Heimatstadt Bensheim stetig zu verschönern und Mängel zu beseitigen. So erarbeitete er 1927 einen Gestaltungsvorschlag für den Ritterplatz, der zum einen die zunehmenden Verkehrströme lenken und leiten, zudem aber auch eine typisch "Bensemerische Note" besitzen sollte. Sein Konzept lautete "Platz für alle hat der Platz". Dieser sehr nüchterne Vorschlag wurde erweitert und umfasste danach auch die Bensheimer Berühmtheit schlechthin. Die "Fraa vun Bensem" sollte den Platz schmücken und gleichzeitig mit ihrer Laterne den Platz ausleuchten und den Weg "hinnerum", also zur Nibelungenstraße, weisen. Es wurde ein Gipsmodell geschaffen und sein Konzept gewann den ersten Preis. Vermutlich war es die Weltwirtschaftkrise, die seinem preisgekrönten Vorschlag das Aus bescherte, aber die Idee, die "Fraa vun Bensem" als Bensheimer Wahrzeichen im Stadtbild zu verewigen, sollte am Platz an der Stadtmühle wenige Jahre später in Erfüllung gehen. 

Es sollte noch lange dauern, bis der Ritterplatz verkehrstechnisch sicher umgestaltet wurde, auch wenn die Idee "Platz für alle hat der Platz" immer noch eine wünschenswerte Alternative wäre.

Zeitungsartikel


Quelle: BA 07.12.1927
Quelle: BA 31.03.1928

Oald Bensem - Die Bensheimer Heimatvereinigung


Mundart und Geschichte der Heimat - ein besonderer Stammtsich

Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, in einer Zeit politischen Unfriedens und wirtschaftlicher Not, scharte Joseph Stoll junge Menschen um sich und unterrichtete sie über die Geschichte seiner Heimat. Dieser Kreis Gleichgesinnter traf sich stammtischmäßig in der Gaststätte "Bürgerliches Brauhaus" und nach einiger Zeit bildete sich aus dieser Gemeinschaft die Heimatvereinigung "Oald Bensem". Als um 1930 der Wunsch laut wurde, beim neu ins Leben gerufenen Winzerfest immer eine Gruppe Stadtsoldaten mitwirken zu lassen, stellte Joseph Stoll in der Heimatvereinigung die Bürgerwehr auf.


Oald Bensem - Bürgerwehr

Erster Auftritt, anlässlich des zehn jährigen Stiftungsfestes der Vereinigung "Alt Weinheim" am 5.7.1931
Bereits bei ihrem ersten Auftreten, anlässlich des zehn jährigen Stiftungsfestes der Vereinigung "Alt Weinheim" am 5.7.1931, konnte diese Gruppe einen vollen Erfolg verzeichnen. Eine weitere Trachtengruppe entstand gar bald, die bei Stolls Vorliebe für die Biedermeierzeit mit entsprechenden Kostümen ausgestattet wurde. Auch für die Bürgerwehr nahm er sich die Uniformierung der in der Biedermeierzeit bestehenden hessischen Landwehr als Vorbild. Mit viel Idealismus wurde so die beste Werbetruppe für Bensheim aufgestellt. Die Mitglieder der neuen Vereinigung trafen sich nun regelmäßig. Bei den Zusammenkünften wurden volkskundliche Themen besprochen, die Bensheimer Stadtgeschichte behandelt und es wurden Befragungen durchgeführt. Vor allem aber wurde die Bensheimer Mundart gepflegt. So war es Joseph Stoll auch möglich, zum südhessischen Wörterbuch einen wesentlichen Beitrag zu liefern.
Um für Bensheim zu werben, fuhren die Trachtenträger auch in die Ferne. Sie besuchten Heimat- und Trachtenfeste und ernteten ob ihres guten Auftretens regelmäßig Anerkennung und Erfolg. 
Mit der Entwicklung und der Zunahme des Fremdenverkehrs vor dem Krieg, übernahmen die Mitglieder der Heimatvereinigung weitere Aufgaben. Meist wirkten sie beim Empfang der Gäste mit, die mit Sonderzügen hier eintrafen. 



Bensemer Owende

Doch nicht nur dies, auch zur Unterhaltung trug man bei. Zeitgenössischen Presseberichten ist zu entnehmen, dass die Gäste sehr häufig am Vereinsleben durch Besuch der Versammlungen teilnahmen, dort mit Stücken in Reim und Prosa von Joseph Stoll unterhalten wurden, sich an Bensheimer Witz ergötzten und in unserer Stadt wohlfühlten. Sehr beliebt und gefragt waren auch die sogenannten "Bensemer Owende". Theaterstücke von Joseph Stoll, Vorträge in Mundart, Tänze und Musikstücke wechselten dabei einander ab. Das Auftreten der Trachtengruppen belebte die Szene.



Aus Bensem, in Bensem, für Bensem

Quelle: Stadtarchiv Bensheim, Bereich: Hasengasse lfd.No. 0011 - Bild des HasenviertelsMitte der 1930er Jahre
Quelle: Stadtarchiv Bensheim
Ein besonderes Anliegen Stolls war es, das Stadtbild zu verschönern. Das liebevoll ausgemalte Hasengassenviertel wurde zu einer Sehenswürdigkeit in Bensheim. Die Oald Bensemer halfen dabei getreulich. Es wurde sehr vieles in dieser Zeit geschaffen. Leider fiel manches inzwischen der Zerstörung anheim, aber allerorten finden wir noch Zeugen dieser Bemühungen. Auch im Bereich der näheren Umgebung war man tätig. So steIlten Mitglieder der Bürgerwehr für die vordere Kuppe des Vetzersberges gar einen Bürgerwehrtisch her. Diese Anstrengungen fanden Anerkennung und es kamen gern Gäste nach Bensheim. Besonders zeigte sich dies am Winzerfest, das alle Veranstaltungen überragte. 



Krieg vorbei - alles aus?

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Tätigkeiten der Heimatvereinigung. Kriegs- und Nachkriegsjahre brachten empfindliche Verluste. Viele Mitglieder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück und in den Wirren der Nachkriegszeit ging vieles verloren. Doch trotz großer Belastungen ließ sich Joseph Stoll nicht entmutigen und wagte einen neuen Anfang. Von seinen Getreuen unterstützt, gab er der Vereinigung neues Leben. Noch vorhandene Trachten und bereits zweckentfremdet verwendete Ausrüstungsstücke wurden wieder zusammengetragen und instand gesetzt. Viele Mitglieder schneiderten sich neue Kostüme auf eigene Kosten und die Zusammenkünfte kamen wieder zustande.
Bei den nun regelmäßig durchgeführten Monatsversammlungen berichtete Stoll über die Ergebnisse seiner Heimatforschung, führte die Befragungen weiter und arbeitete am Bensheimer Wörterbuch. Referenten für ihm fremde Themen wusste er mit Geschick zu gewinnen und der Umfang heimatkundlicher Stoffe wurde beträchtlich erweitert. Die Schwierigkeiten der Nachkriegsjahre wurden überwunden und gar bald traten die Trachten wieder in der Öffentlichkeit auf, mit Beifall begrüßt. Oald Bensem beteiligte sich wieder an Festen in der näheren Umgebung, nahm teil am Pfirsichfest in Zwingenberg und am Schloßfest in Alsbach. Die Vereinigung fuhr auch wieder in die Ferne und besuchte Winzerfeste in Bingen und Bacharach und beteiligte sich am Biedermeierfest in Eltville. Überall wurde sie mit ihrer Biedermeiergruppe und der Bürgerwehr gut aufgenommen. Ein besonderes Erlebnis war die Teilnahme an der Verkehrsübergabe der wiedererrichteten Rheinbrücke bei Worms. Die Presse berichtete hierüber ausführlich. Auch die Fahrten in den Schwarzwald wurden wieder aufgenommen und Orte wie Schrammberg, Waldkirch und Villingen waren bald auch den neuen Mitgliedern bekannt. Oald Bensem hatte sich Anerkennungen errungen. Die Vereinigung erhielt Einladungen aus dem In- und Ausland. Es seien hier die Teilnahmen erwähnt am Fest der Stadtrechtsverleihung in Pfeddersheim, der 1200 - Jahrfeier des Hunsrückortes Biebern, der Landestreffen in Mengen, Saulgau und Sipplingen sowie die Erringung des Ehrenpreises beim großen Trachtentreffen in der alten Kaiserstadt Speyer. In Weißenburg/Elsaß besuchte die Vereinigung den Pfingstmarkt und in Antwerpen nahm sie an einem internationalen Treffen teil.
Ein reges Vereinsleben entwickelte sich in den fünfziger Jahren. Auch Oald-Bensemer-Owende wurden wieder durchgeführt und oft war das Interesse der Bevölkerung so groß, daß der Saal nicht alle Besucher fassen konnte. Ein festlicher Höhepunkt dieser Jahre war die Feier der Marktrechtsverleihung 1956. Es war zur Selbstverständlichkeit geworden, Oald Bensem bei allen besonderen Anlässen präsent zu sehen. Joseph Stoll hatte es verstanden, die Heimatvereinigung zu einem kulturellen und heimatkundlichen Mittelpunkt von Bensheim auszubauen. Als er dann überraschend am 27.9.1956 verstarb, war das nicht nur ein schwerer Verlust für die Heimatvereinigung, sondern auch für Bensheim und alle seine Freunde im weiten Land.

Den 1. Vorsitz übernahm nunmehr Egon Stoll-Berberich; die Geschäftsführung lag während seiner Abwesenheit in den Händen von Hans Roth, dem alten Mitarbeiter von Joseph Stoll. Beide führten die Vereinigung im Sinne ihres Gründers weiter. Zu Ehren des Verstorbenen erhielt der Platz an der Stadtmühle mit dem Denkmal der "Fraa vun Bensem" 1957 den Namen "Josef-Stoll-Platz". Eine weitere Anerkennung seiner Verdienste erfolgte mit der Errichtung der "Stoll-Passage", deren Einweihung 1969 mit einem großen Freundschaftstreffen der badisch- hessischen. Bürgerwehren verbunden war. In der Folge fanden zwar immer noch Vorträge über interessierende Themen statt, die Vereinigung trat jedoch mehr und mehr repräsentativ auf. Sie empfing ausgewanderte Bensheimer aus Amerika, war bei offiziellen Anlässen wie Aufnahme des elektrischen Bahnbetriebes oder Verkehrsübergabe der Autobahn zur Stelle und wirkte bei der Neueröffnung des Hotels "Krone" mit. Zur Eröffnung des "Wehrkundlichen Museums" fuhren die Trachtengruppen nach Rastatt. An Trachten- und Heimatfesten von Titisee bis Ober-Ramstadt beteiligten sie sich und auch in der Schwesterstadt Beaune vertraten die Oald Bensemer ihre Vaterstadt. Erlebnisse besonderer Art waren die Teilnahmen am Schwarzpulverschiessen in Schwäbisch-Hall und ein Neujahrsempfang der Trachtengruppen bei den weltlichen und kirchlichen Behörden in Freiburg. Einen weiteren schmerzlichen Verlust erlitt die Heimatvereinigung mit dem plötzlichen Tod von Egon Stoll-Berberich am 2.5.1973. Hans Roth übernahm nun den 1. Vorsitz und führte die Geschäfte in gewohnter Weise weiter. Sehr engagiert setzte man sich für die Erhaltung alter Adelshöfe ein. Mitglieder des Vereins beteiligten sich bei der Ausgrabung keltischer Hügelgräber der Bronzezeit. Eine im letzten Jahrzehnt aufgebaute Jugendgruppe wirkte mit bei der "Aktion Sorgenkind". Wesentliche Aufgaben übernahm Oald Bensem bei der 1200-Jahrfeier Bensheims 1966 und beim Hessentag 1976. Im Jahr 1979 richtete es das Landestreffen der Bürgerwehren aus. Die Vertretung der Vaterstadt bei Hessentagen ist selbstverständlich, das Auftreten bei der Eröffnung des Weinmarktes in Heppenheim wird zur Regel und die Durchführung des Bergsträßer Winzerfestes in Bensheim ist ohne die Beteiligung von Oald Bensem undenkbar. Das Wirken für die Heimat honorierte die Stadt in großzügiger Weise. Sie stellte 1977 der Heimatvereinigung den restaurierten "Walderdorffer-Hof" zur Verfügung, womit die seither so belastenden Unterkunftsprobleme gelöst waren. Die neuen Vereinsräume wurden ansprechend ausgestattet Lind bieten nicht nur Mitgliedern gemütlichen Aufenthalt. Um bei öffentlichen Auftritten nicht immer von fremden Klangkörpern abhängig zu sein, begann man 1979 einen Spielmannszug aufzubauen. Bis heute stellen die verschiedenen Gruppen der Heimatvereinigung einen festen Bestandteil bei vielen Veranstaltungen in dar und repräsentieren Bensheim weit über die Region hinaus.


entnommen: Heimatvereinigung "Oald Bensem" (Hrsg): Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Heimatvereinigung "Oald Bensem" e.V. , Historischen Bürgerwehr "Joseph Stoll Bensheim und Biedermeiergruppe, Bensheim, 1981, Seite 14-20. Adaptiert: Stoll-Berberich 2015.

Georg Beringer 1879 - 1944

Quelle: Stadtarchiv Bensheim
Aus vielerlei Gründen mag eine nähere Betrachtung Georg Beringers sinnvoll erscheinen, in Bezug auf Joseph Stoll ist allein schon die Tatsache interessant, dass der gelernte Grafiker Joseph Stoll in mindestens vier seiner Werke die grafischen Elemente nicht selber gestaltet sondern dies von Georg Beringer erledigen lässt. Hierbei kann man schon fast von einem typischen Beringer-Stil reden, denn die dargestellten Szenen, die die zumeist in Mundart verfassten Werke schmücken, wirken rau und brutal, zeigen aber alltägliche, heimelige Szenen.

Georg Beringer wurde im selben Jahr geboren wie Joseph Stoll, nämlich am 31. August 1879 zu Worms. Er lebte in seiner Jugendzeit in Griesheim und wirkte seit 1903 in Bensheim als Lehrer an der Taubstummenanstalt, also somit unmittelbar neben dem Wohnhaus von Joseph Stoll. Beruflich abgesichert, fokussierte er sich ganz auf sein eigentliches Talent und begann sich seinen eigenwilligen, keiner Schule folgenden Kunststil autodidaktisch zu erarbeiten. Eduard Haßloch, der ebenfalls in das engere Feld der Personen um Joseph Stoll zu zählen ist, widmet Beringer einen Aufsatz im Bergsträßer Anzeigeblatt (8. September 1925) anlässlich der in Worms stattfindenden Ausstellung "Entwürfe zur Ausmalung des Wormser Doms", in dem er auch Beringers künstlerischen Werdegang bis 1925 kurz umreißt.

Am Anfang standen Bleistift- und Kohlezeichnungen, in den Jahren 1906 bis 1908 lag der Schwerpunkt auf Ölgemälden, die meist Modelle darstellten, wobei diese Phase sehr stark vom Impressionismus geprägt war. Aber auch hier sah sich Beringer noch nicht am Ziel seines künstlerischen Interesses und er widmet sich der Pastellmalerei. Gereift und von den Einflüssen des Krieges gezeichnet, sind seine Bilder von da an vom Expressionismus geprägt und er entwickelt zusehends seinen eigenen, gefestigten Stil. Er widmete sich dem Holzschnitt, auch hier bringt er sich die Techniken selber bei, und versah so Szenen aus der Literatur mit Bildern. Er schaffte Kunstwerke, die ihn über die Grenzen Bensheims bekannt machten. Hier sind "Der rote Reiter", "Die blaue Madonna" und "Der heilige Franziskus" zu nennen, die in der Mannheimer Kunsthalle im Jahre 1921 präsentiert wurden (siehe auch Bergsträßer Anzeigeblatt 21.09.1921).

Es folgten weitere Kunstwerke und Haßloch kommt in seinem oben zitierten Aufsatz nochmals auf die Bedeutung Beringers Werke in Bezug auf die Ausgestaltung des Wormser Doms zu sprechen.
In Lorsch wird Beringer bekannt durch die Ausgestaltung des Nibelungensaales in den 30er Jahren. Als Wormser war er mit der Nibelungensage vertraut und ließ in seinen Gemäldezyklus stadtbekannte Köpfe einfließen. Während des Dritten Reiches kam es allerdings zu Unstimmigkeiten mit Parteifunktionären bezüglich der Darstellung und es musste ein zweiter Entwurf geschaffen werden, der von Beringer bis auf eine Wand auch umgesetzt werden konnte.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurde Beringer - sein ehemaliger Kollege am Lehrerseminar Friedrich Ringshausen war zu diesem Zeitpunkt hessischer Kultusminister - als Direktor an die Taubstummenanstalt nach Friedberg versetzt, da die beiden einzigen existierenden Taubstummenanstalten, Bensheim und Friedberg, zuvor zusammengelegt worden waren. 1938 ließ sich Beringer aufgrund eines fortschreitenden Magenleidens in den Ruhestand versetzen.

Beringer verstarb am 20. Oktober 1944 in Friedberg.